Schulterverletzungen

Schulterluxation

oder Schultergelenkluxation

Das Gelenk mit den größten Bewegungsausmaßen ist das Schultergelenk. Um das zu gewährleisten sind, die Gelenkflächen des Schultergelenks am Oberarm und Schulterblatt relativ klein.
Die Sicherung vom Schultergelenk besteht aus vier Muskeln (sogenannte Rotatorenmanschette) und Kapselbandstrukturen. Das erst erlaubt den großen Bewegungsumfang aber begünstigt auch das sogenannte Auskugeln (Luxieren).
Das Schultergelenk luxiert zu 80% nach vorne, zu 15% nach unten und nur sehr selten nach hinten.

Man unterscheidet drei Formen

  • Traumatische Schulterluxation
    Auskugeln der Schulter durch Einwirkung von außen (Unfall), z.B.:
    - Sturz auf den ausgestreckten Arm
    - Gewaltsames Überdehnen nach hinten (z.B. Handball)
    - Kollisionen (American Football)
  • Habituelle Schulterluxation
    Auskugeln der Schulter ohne Einwirkung von außen (meist angeboren), z.B.:
    - Fehlbildung oder -stellung des Gelenks
    - Schwäche der Muskel- und Bandstrukturen
  • Rezidivierende Schulterluxation
    Unter Umständen kann es nach einer traumatischen Schulterluxation zu einem erneuten Auskugeln des Schultergelenks. Gründe sind meistens:
    - Beschädigung des Kapselbandapparates
    - Beschädigung des Oberarmkopfes

Symptome

  • Starke Schmerzen bei Bewegung und in Ruhe
  • Arm kann nicht abgespreizt werden
  • Deutliche Schonhaltung
  • Manchmal ist eine Delle sichtbar
  • Eventuell Durchblutungsstörung
  • Eventuell Taubheitsgefühl an der Außenseite des Oberarms

Behandlung & Therapie

Die Schulterluxation sollte möglichst schnell wieder eingerenkt werden, um Folgeschäden am Knochen und Muskel zu verhindern. Danach sollte das Schultergelenk, je nach Schwere der Luxation, eine bis drei Wochen mit Hilfe eines Gilchrist-Verband ruhig gestellt werden.

  • Kräftigung der Schulterblattmuskulatur
  • Massage der Nackenmuskeln
  • Funktionelle Bewegungen im erlaubten Bewegungsausmaß
  • Stabilisierende Übungen des Schultergelenks
  • Physikalische Therapie

Komplikationen

  • Gefäßschäden
  • Nervenschäden
  • Kapsel-Bandschäden
  • Muskelschäden
  • Bleibende Schonhaltung

Rotatorenmanschettenriss

oder Rotatorenmanschettenläsion, Rotatorenmanschettenruptur, Riss der Supraspinatussehne, Rotator cuff rupture, Periarthropathia humeroscapularis pseudoparetica, Sehneneinriss, Sehnenriss

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln (M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. teres minor, M. subscapularis), welche vom Schulterblatt zu zwei knöchernen Vorsprüngen (Tuberculum major und Tuberculum minor) am Oberarmknochenkopf ziehen und die muskuläre Umhüllung des Schultergelenks bilden. Sie ist für die Stabilisierung des Schultergelenks verantwortlich, sowie für die Rotationsbewegung und das Abspreizen des Armes.

Ein Riss der Rotatorenmanschette entsteht häufig durch ein Trauma (z.B. Sturz auf den ausgestreckten Arm) oder durch eine Verschleißerscheinung der Sehnen durch lang anhaltende mechanische Reizung, wobei die Supraspinatussehne am häufigsten betroffen ist. Die Sehne kann entweder vollständig (Totalruptur) oder teilweise (partielle Ruptur) (an-)gerissen sein.

Symptome

Riss in Folge eines Unfalls

  • plötzliche starke Schmerzen in der Schulter und im seitlichen Oberarm, eventuell ausstrahlend bis in die Hand
  • Liegen auf betroffener Seite evtl. nicht möglich
  • Druckschmerzen im Ansatzbereich der Supraspinatussehne
  • bei einem kompletten Riss sind das seitliche Abspreizen und die Außenrotation des Armes nicht möglich

Riss verschleißbedingt

  • oftmals symptomlos
  • Kraftlosigkeit des Armes
  • Druckschmerzen im Ansatzbereich der Supraspinatussehne
  • langsam zunehmende Schmerzen bei Bewegung
  • Schmerzen nehmen nachts zu, Liegen auf betroffener Seite eventuell nicht möglich

Behandlung & Therapie

Konservativ (nicht operativ). Bei sehr starken Schulterschmerzen und Einschränkungen, hohen Ansprüchen an die Beweglichkeit (z.B. bei Sportlern) oder erfolgloser konservativer Therapie nach sechs Wochen ist eine operative Therapieform angezeigt. Hierbei wird entweder arthroskopisch (bei kleineren Rissen) oder offen operiert und die Sehne wieder zusammen genäht oder am Knochen mittels Ankern oder Nähten fixiert. Eine physiotherapeutische Behandlung schließt sich unmittelbar an.

  • Schonung, eventuell Ruhigstellung
  • Kälteanwendungen
  • schmerzfreie Bewegungsübungen
  • Dehnübungen
  • Medikamentengabe
  • Elektrotherapie

Komplikationen

  • Operationsrisiken
  • Verklebungen
  • Bewegungseinschränkung
  • Kraftminderung
  • erneute Ruptur
  • Nahtauseinanderweichung

Impingementsyndrom

oder subakromiales Engpasssyndrom, Schulterengpasssyndrom, subakromiales Impingement, Subakromialsyndrom (SAS), Engesyndrom, Schulterengesyndrom, subakromiales Schmerzsyndrom

Das eigentliche Schultergelenk (Articulatio humeri) wird von dem Oberarmknochenkopf (Caput humeri) und dem Schulterblatt (Scapula) gebildet. Es ist ein muskelgesichertes Kugelgelenk und lässt Bewegungen in alle Richtungen zu. Als Impingementsyndrom bezeichnet man eine schmerzhafte Einklemmung von Weichteilgewebe im Raum zwischen Oberarmkopf (Humerus) und Schulterdach (Akromion). Durch knöcherne Veränderungen des Schulterdachs sowie Schleimbeutelentzündungen (oftmals hervorgerufen durch Fehlhaltungen wie hochgezogene Schultern und Rundrücken in Kombination mit Überkopfarbeiten). Im Bereich dieses Raumes kommt es zu einer Verengung, welche zu einem Anstoßen der Sehne mit mechanischer Überlastung führt.

Symptome

  • akut auftretender Schmerz, verstärkt unter Belastung
  • nächtlicher Armschmerz
  • Abspreizen des Armes zur Seite zwischen 60 und 120 Grad schmerzhaft
  • Einschränkungen der endgradigen Beweglichkeit
  • später auch Ruheschmerz
  • grobe Kraft und passive Beweglichkeit sind erhalten

Behandlung & Therapie

Im Frühstadium immer konservativ (nicht-operativ). Bei längerfristig bestehenden Schmerzen oder größeren knöchern bedingten Veränderungen eventuell operative Maßnahmen, die Platz unter dem Schulterdach schaffen und den Druck auf die Sehnen mindern sollen. Das klassische Verfahren hierbei ist die Akromionplastik, bei der endoskopisch knöcherne Veränderungen und entzündete Weichteile abgetragen werden oder gegebenenfalls zu straffe Bänder durchtrennt werden. Eine physiotherapeutische Nachbehandlung mit oben genannten Maßnahmen schließt sich unmittelbar an.

  • Kältetherapie (im Akutstadium) oder Wärmetherapie
  • Schonung (Meiden von Überkopfbewegungen)
  • Bewegungsübungen zum Erhalt der Beweglichkeit
  • Haltungsschulung
  • Muskelkräftigung
  • Dehnübungen
  • Traktion
  • Iontophorese, Ultraschall, Hochvoltströme
  • Querfriktion der betroffenen Sehne

Komplikationen

  • dauerhaft eingeschränkte Beweglichkeit bis hin zum Einsteifen der Schulter, wenn keine frühzeitige physiotherapeutische Behandlung erfolgt
  • fortschreitende Sehnenschäden bis hin zur Rissbildung
  • Verklebungen, Verwachsungen
  • Operationsrisiken

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Fußverletzungen

Lexikon

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